22.08.2018

Bangladesch: World Vision fordert Zugang zu Bildung und offiziellen Status für Rohingya-Flüchtlinge

In World Vision-Kinderschutzzentren können Kinder an einem sicheren Ort spielen und lernen.

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Cox‘s Bazar/Wien, 22. August 2018 - Im August 2017 sind 706.000 Kinder und Erwachsene aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. Auch ein Jahr nach ihrer Ankunft sind sie im größten Flüchtlingslager der Welt untergebracht. In Summe leben dort 890.000 Menschen unter prekären Umständen, mehr als die Hälfte von ihnen sind Kinder.
 
Ende August vergangenen Jahres begannen die Menschen, die meisten von ihnen Rohingya, nach jahrzehntelanger Diskriminierung und systematischen Menschenrechtsverletzungen, aus Myanmar über die Grenze nach Bangladesch zu fliehen. Eine erneute Welle der Gewalt im Staat Rakhine löste den Exodus aus – fast beispiellos in seinem Ausmaß und seiner Geschwindigkeit. In Bangladesch lebten aufgrund früherer Konflikte bereits hunderttausende Flüchtlinge aus Myanmar. 
 
Schutz und Rechte für Flüchtlinge  
„Die Menschen in den Lagern wollen nicht vergessen werden“, so Fred Witteveen, Landesdirektor von World Vision Bangladesch. „Im vergangenen Jahr hat sich für sie wenig verbessert. Und es ist unwahrscheinlich, dass sie bald nach Hause zurückkehren werden. Die internationale Hilfe darf nicht abbrechen, um die Rechte der Flüchtlinge – insbesondere der Kinder – zu schützen.“ Witteveen sagt, die Bedingungen in den überfüllten Siedlungen seien trotz der enormen Leistungen von mehr als 100 NGOs, die mit UN-Organisationen und der Regierung von Bangladesch zusammenarbeiten, miserabel. Das Abwasser fließt durch die Lager und verursacht Krankheiten. Die Unterernährungsrate sei hoch und die Verbreitung geschlechtsspezifischer Gewalt nehme zu. 
 
Wie die sektorübergreifende Koordinierungsgruppe der Vereinten Nationen kürzlich berichtete, „setzt der fehlende Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und Möglichkeiten zur Selbsthilfe Flüchtlinge, insbesondere Frauen und Mädchen, Schutzrisiken und potenziell schädlichen Bewältigungsmechanismen wie Menschenhandel, Ausbeutung, Kinderheirat und Drogenmissbrauch aus".
 
„Diese Flüchtlingskrise bleibt eine Schutzkrise", sagt Witteveen. „Die meisten Kinder und ihre Familien haben jahrelange Verfolgung und brutale Gewalt in Myanmar miterleben müssen. Jetzt haben sie weder die Staatsbürgerschaft in Myanmar, noch sind sie als offizielle Flüchtlinge in Bangladesch anerkannt.“
 
Kaum Zugang zu Bildung und Ausbildung
Die Rohingya – Berichten zufolge die weltweit größte Gruppe staatenloser Menschen – haben keinen offiziellen Schutz. Erwachsene haben kein Recht auf Arbeit und Kinder können nicht zur Schule gehen. World Vision und andere NGOs betreiben Kinderschutzzentren für jüngere Kinder, in denen sie sicher spielen und an informellen Lernveranstaltungen teilnehmen können. Nur ein Viertel der schulpflichtigen Kinder besucht diese Zentren. Das bedeutet, dass 400.000 Kinder und Jugendliche keine formale Ausbildung erhalten. Weniger als 2.000 Jugendliche – von insgesamt 117.000 – haben Zugang zu Bildung oder Ausbildung. Ohne diese Chancen laufen diese Kinder und Jugendlichen Gefahr, eine verlorene Generation zu werden.
 
UN-Beamte, unter anderem der UN-Sonderberichterstatter über die Menschenrechtslage in Myanmar, haben davor gewarnt, dass die Situation derzeit nicht für eine freiwillige, sichere, würdevolle und nachhaltige Rückkehr von Flüchtlingen förderlich ist. Bis dahin müssen die Basisdienste in den Lagern in Bangladesch verbessert und die Rechte von Kindern und Erwachsenen, einschließlich des Zugangs zu Bildung, geschützt werden. 
 
Derzeit ist der Gemeinsame Aktionsplan 2018 für die humanitäre Krise in Bangladesch (2018 Joint Response Plan for the Rohingya Humanitarian Crisis), durch den 1,3 Millionen Menschen –  Flüchtlinge und Mitglieder der Aufnahmegemeinde – erreicht werden sollen, nur zu 33 Prozent finanziert. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Unterstützung für den Hilfseinsatz verstärken und mit der Regierung von Bangladesch zusammenarbeiten, um kurz- sowie mittelfristige Hilfe zu leisten – unter anderem qualitativ hochwertige und relevante Bildung sowie die Anerkennung eines offiziellen Flüchtlingsstatus.
 
 
Was World Vision im vergangenen Jahr erreichen konnte:
Mehr als 213.7000 Flüchtlinge wurden mit Nothilfemaßnahmen in den Bereichen Kinderschutz, Nahrung, Unterkunft sowie Wasser und Hygiene erreicht. 
  • Kinderschutz: Rund 1.000 Kinder besuchen jede Woche die World Vision-Zentren, wo sie sicher lernen und spielen können.
  • Wasser, Sanitär und Hygiene (WASH): World Vision hat 83 Tiefbrunnen installiert, die 83.000 Menschen mit sauberem Wasser versorgen, und 1.544 Latrinen gebaut.
  • Unterkünfte: Bis dato haben 9.840 Familien (49.200 Menschen) Unterstützung erhalten, um ihre Häuser gegen den Monsun zu sichern.  
 
Weitere Informationen finden Sie hier: World Vision's One Year On Fact Sheet
 
INTERVIEWMÖGLICHKEITEN:
Fred Witteveen, Landesdirektor von World Vision Bangladesch wird am 24. Und 25. August in Cox's Bazar sein und steht für Interviews (in Englisch) zur Verfügung. Gerne vermitteln wir den Kontakt. Bitte melden Sie sich unter: tanja.zach@wveu.org, 0664-833 94 11.
 

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