20.05.2020

COVID-19: Schwächste Bevölkerungsgruppen in Brasilien am stärksten bedroht

Indigene Bevölkerung im Amazonas könnte stark dezimiert werden; 6% der Bevölkerung Brasiliens leben in Slums – Abstand halten kaum möglich

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Brasilia/Wien, 20. Mai 2020 – Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision warnt davor, dass sich in Brasilien das Coronavirus aggressiv verbreitet und das Land von allen südamerikanischen Staaten inzwischen am stärksten von der Epidemie betroffen ist. Besonders die schwächsten und ärmsten Menschen, die in den Favelas und an Flussufern leben, die Migranten und Flüchtlinge sind bedroht. Die indigene Bevölkerung im Amazonas könnte stark dezimiert werden.

Ungleichheit führt zu steigenden Infektionsraten
Brasilien besitzt die neuntgrößte Wirtschaftsleistung der Welt. Aber laut Weltwirtschaftsforum verdient das reichste 1% der Bevölkerung 33-mal mehr als die ärmsten 50%. Martha Yaneth Rodríguez, die Landesdirektorin von World Vision Brasilien dazu: "Ungleichheit ist der Schlüsselfaktor, warum in Brasilien die Infektionsraten so stark steigen“. Ganz unten in dieser sozialen Struktur befinden sich die Bewohner von Favelas und Slums am Rande der großen städtischen Zentren. Offiziellen Daten zufolge leben 6% der brasilianischen Bevölkerung in Slums - das entspricht mehr als 11 Millionen Menschen. Abstand halten ist hier kaum möglich.

Bundesstaat Amazonas stark betroffen
Besonders im Bundesstaat Amazonas im Norden Brasiliens, ist die Zahl der Infizierten sehr hoch. Mit knapp 4 Millionen Einwohnern liegt er an dreizehnter Stelle bezüglich der Bevölkerungszahl, ist aber bereits auf dem vierten Platz in der Gesamtzahl der Todesfälle. In Amazonas befinden sich auch 12 der 20 Städte mit der höchsten Zahl an Krankheitsfällen in Brasilien sowie fünf der zehn Gemeinden mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Der unkontrollierte Anstieg der Fallzahlen hat dazu geführt, dass die Krankenhausbetten maximal ausgelastet sind und die Gesundheits- und Bestattungsdienste zusammenbrechen. "Die Krankenhäuser haben keine Betten mehr und das Gesundheitspersonal ist völlig überfordert. Schrecklich Szenen spielen sich bei Beerdigungen ab. Die Toten müssen in Massengräbern verscharrt werden. Wir tun, was wir können, um zu helfen, aber die Situation ist äußerst angespannt“, sagt Luis Corzo, Einsatzleiter von World Vision in Brasilien.

Manaus ist die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas und das Portal zu Gemeinden im gesamten Amazonasbecken. World Vision ist dort vor Ort und arbeitet mit Kirchengemeinden zusammen, um Nahrungsmittel und Sanitärpakete zu verteilen und die Bevölkerung im Bereich Hygiene und Sanitärmaßnahmen zu schulen. "Die meisten Menschen, die im Amazonasgebiet leben, sind gezwungen, ihre Heimatorte zu verlassen, weil es keine Arbeit mehr gibt“, erklärt Joao Diniz, Regionalleiter für Lateinamerika und die Karibik bei World Vision. "Die Menschen müssen sich derzeit entscheiden, ob sie das Risiko eingehen, an COVID-19 zu sterben, oder ob sie verhungern.”

Flüchtlinge aus Venezuela
Amazonas ist einer der drei Staaten, in denen World Vision auch Flüchtlinge aus Venezuela versorgt. Die Zahl der Venezolaner, die derzeit in Brasilien leben, wird aktuell auf etwa 260.000 geschätzt. Aufgrund der Einschränkungen ist deren Versorgung mit Wasser, Nahrungsmitteln und die Gesundheitsversorgung weiter erschwert. "Der World Vision-Nothilfeeinsatz in Bezug auf die Corona-Pandemie begann vor 2 Monaten. Bisher haben wir mehr als eine Million Menschen besonders in den Regionen mit den höchsten Infektionsraten mit Hilfsmaßnahmen versorgt“, so Joao Diniz.

Nothilfe von World Vision
Weltweit ist die Kinderhilfsorganisation im Kampf gegen die Ausbreitung von COVID-19 in mehr als 70 Ländern im Einsatz, wobei die am stärksten gefährdeten Länder Priorität haben. Insgesamt will die Hilfsorganisation 72 Millionen Menschen in Bezug auf den Kampf gegen Covid-19 unterstützten, mehr als die Hälfte davon Kinder. World Vision weist in einem kürzlichen erschienenen Bericht darauf hin, dass es wichtig ist, auch die Nachwirkungen der Pandemie zu berücksichtigen. Das Leben von 30 Millionen Kindern könnte durch tödliche Krankheiten wie Malaria, mangelnde Impfmaßnahmen oder zunehmende Mangel- und Unterernährung gefährdet sein, da die Gesundheitssysteme überlastet sind.

INTERVIEWMÖGLICHKEIT:
Es bestehen Interview-Möglichkeiten mit Joao Diniz (auf Englisch). Wir vermitteln gerne unter tanja.zach@wveu.org oder 0664-833 94 11

World Vision bittet um Spenden für den Nothilfeeinsatz:

World Vision Österreich
IBAN: AT22 2011 1800 8008 1800
BIC: GIBAATWW
Kennwort: "Corona"

oder online hier.



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