31.07.2019

DR Kongo: 1 Jahr Ebola – Zweiter Fall in Goma

Fehlinformationen kursieren in Bevölkerung und erschweren Hilfseinsatz

Händewaschen ist eine sehr wichtige Maßnahme im Kampf gegen Ebola.

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Goma/Wien, 31. Juli 2019 – Am 1. August 2018 hat das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo offiziell einen Ebola-Ausbruch in Nord-Kivu erklärt. Heute wurde ein zweiter Ebola-Fall in der dicht besiedelten Grenzstadt Goma bestätigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Risiko einer regionalen Ausbreitung als "sehr hoch" bewertet.

Ohne eine umfassende Kampagne zur Bekämpfung von Fehlinformationen, die über die Krankheit in der Bevölkerung kursieren, wird sich die Krankheit weiter ausbreiten und die Zahl der Todesopfer steigen, warnt die Kinderhilfsorganisation World Vision. 

„Die zweite Ebola-Erkrankung in Goma bestätigt unsere Befürchtungen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis weitere Fälle in der Grenzstadt auftreten", sagt Moussa Sangara, Leiter der Ebola-Bekämpfung in der DR Kongo bei World Vision. Die Menschen müssen nun sehr wachsam sein, um zu verhindern, dass sich diese Krankheit in die Nachbarländer ausbreitet. Das wäre für die Region verheerend.“
 
Mitarbeiter von World Vision in Nord Kivu berichten von unterschiedlichen Mythen und Missverständnissen, die zu Angst und Misstrauen gegenüber Behörden und Einsatzkräften führen. Die Hilfseinsätze werden in der ohnehin konfliktreichen Region dadurch zusätzlich erschwert. Darunter:

  • Ebola ist nicht echt.
  • Ebola wurde von bewaffneten Gruppen eingeführt, um Menschen zu töten.
  • Der Ebola-Impfstoff ist ein Gift. 
  • Internationale und lokale Gesundheitsfachkräfte haben Ebola gebracht, um Profit zu machen. 
  • Es ist sicherer für die Kranken, zu Hause zu bleiben, anstatt sich behandeln zu lassen, wo sie absichtlich getötet würden.
 
Schulung von lokalen Führungspersönlichkeiten
„Wir reden hier vom zweitschlimmsten Ebola-Ausbruch der Welt. Anhaltende Gewalt und Fehlinformationen haben wesentlich dazu beigetragen, dass dieser Ausbruch nicht eingedämmt werden konnte. Die Menschen kennen sich nicht aus und haben Angst“, sagt Moussa Sangara. „Unsere Mitarbeiter erleben ein weit verbreitetes Misstrauen von Menschen, die an Verschwörungsgeschichten aller Art glauben und daher wütend sind.  Aus diesem Grund ist es unglaublich wichtig, mit lokalen vertrauenswürdigen Führungspersönlichkeiten zusammenzuarbeiten, um sie über Ebola aufzuklären. Sie müssen diejenigen sein, die die richtige Botschaft vermitteln. Deshalb arbeiten wir  unter anderem mit Gemeindeleitern zusammen und haben Radioprogramme genutzt, um die richtigen Informationen zu verbreiten.“

Bereits beim Ebola-Hilfseinsatz in Sierra Leone arbeitete World Vision mit Pastoren und Imamen zusammen, um die Bevölkerung zu schulen. Auch damals herrschte Misstrauen.  Der Ansatz erwies sich als sehr erfolgreich. Für diese und andere Programme, wie z.B. psychosoziale Unterstützung von Überlebenden, werden dringend weitere Mittel benötigt. Der Hilfseinsatz ist trotz eines nun stärkeren internationalen Engagements noch unterfinanziert.

World Vision hat bisher mehr als 700 Gesundheitskräfte, Lehrer und Gemeindemitglieder geschult, darunter Pastoren und Imame in Beni, Butembo, Oicha, Katwa und Mabalako in Nord-Kivu. 
 
„Kinder erzählen uns viele verschiedene Geschichten über Ebola in ihren Dörfern. Eine der Verschwörungstheorien, die wir ständig hören, ist, dass Ebola von bewaffneten Gruppen eingeführt wurde, um Menschen zu töten. Dies verdeutlicht die Angst der Kinder, die in Nord-Kivu aufwachsen“, so Sangara. „Es ist das Resultat aus jahrelangen Konflikten. Wir müssen mit dieser Verwirrung und Misstrauen rechnen und respektvoll darauf reagieren.“

Menschen verwechseln zudem Ebola oft mit Malaria und anderen Krankheiten, die ähnliche Symptome hervorrufen: Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen.

Ein Ebola-Fall kann ein ganzes Dorf gefährden
Seit dem Ausbruch erkrankten bereits mehr als 2.500 Menschen an Ebola, mehr als 1.700 von ihnen starben. Fast ein Drittel der Fälle sind Kinder. Beni in Nord-Kivu gilt als einer der Ebola-Hotspots. In den vergangenen drei Wochen wurden mehr als die Hälfte aller neuen Fälle dort gezählt.

Anne-Marie Connor, Landesdirektorin von World Vision in der DR Kongo sagt, dass bereits sehr positive Ergebnisse erzielt werden, aber noch viel mehr getan werden muss: „Es braucht nur einen Ebola-Fall, um ein ganzes Dorf zu gefährden. Darum ist die Arbeit mit Menschen, die Respekt in ihrer Gemeinschaft genießen, so wichtig. Wir sehen einen bemerkenswerten Unterschied zwischen den Gemeinden, in denen wir diese Präventionsarbeit durchgeführt haben und den anderen. Unser Ziel ist es, diese Arbeit in der gesamten Region ausbauen, weil wir wissen, dass sie wirkt.“

Auch an den Grenzen im Südsudan und in Uganda stehen World Vision-Mitarbeiter bereit, falls sich mehr Fälle über die Region verteilen sollten.
 
INTERVIEWMÖGLICHKEIT:
World Vision-MitarbeiterInnen stehen auf Anfrage für Interviews (auf Englisch) zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an Tanja Zach: tanja.zach@wveu.org, 0664-833 94 11
 
 

Händewaschen ist eine sehr wichtige Maßnahme im Kampf gegen Ebola. (. JPG )

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