01.07.2019

Idlib: Schwangere Frauen und Babys höchstem Risiko ausgesetzt

Berichte über geflüchtete Mütter, die ihre Kinder im Freien zur Welt bringen müssen

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Amman/Wien, 01. Juli 2019 – Hunderttausende Menschen sind vor der Gewalt in Idlib im Nordwesten Syriens geflohen. Darunter viele schwangere Frauen, junge Mütter, Säuglinge und Kleinkinder. Das ergab eine aktuelle Situationsanalyse der Partnerorganisationen von World Vision, bei der 252 Familien aus Idlib und Hama in einem Flüchtlingslager befragt wurden. In der Hälfte der Familien (51 Prozent) lebten eine stillende Frau sowie ein kleines Kind. In einer von drei befragten Familien war die Frau gerade schwanger.

Mütter bringen ihre Kinder im Freien zur Welt
Viele der geflüchteten Menschen leben heute in überfüllten inoffiziellen Flüchtlingslagern, notdürftigen Behausungen oder gar nur unter freiem Himmel. Es fehlt an angemessener Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und Unterkünften. Zudem gibt es zahlreiche Berichte über Frauen, die ihre Kinder im Freien unter Bäumen zur Welt gebracht haben. Die Neugeborenen und ihre Mütter sind dem Wetter dabei oftmals schutzlos ausgeliefert.

„Die verheerenden Auswirkungen, die die Flucht vor den Luftangriffen und Bomben auf die Familien hat, sind nur schwer vorstellbar: Trauma, Not sowie körperliche Belastung. Für Schwangere und Mütter mit Babys und Kleinkindern ist es noch schlimmer“, sagt Mays Nawayseh, Sicherheitsreferentin für Syrien bei World Vision. „Schwangere und stillende Frauen gehören neben Kindern zu den am stärksten gefährdeten Individuen in Krisen wie dieser. Ohne Zugang zu Gesundheits- oder Sanitäreinrichtungen sind ihre Chancen, ein gesundes Baby zur Welt zu bringen und dieses Kind angemessen zu versorgen, deutlich geringer. Frauen und Kinder brauchen dringend Zugang zu Gesundheitsversorgung und saubere, ausreichend geschützte Unterkünfte.“

Heftige Luftangriffe und Bombardements in Idlib haben bereits mehr als 330.000 Menschen vertrieben – mindestens die Hälfte davon Kinder. Die UNO warnte am 18. Juni, dass in den sechs Wochen davor mindestens 230 Zivilisten, darunter 69 Frauen und 81 Kinder, im Konflikt getötet wurden. Mark Lowcock, der UN-Nothilfekoordinator, sagte im Sicherheitsrat, dass die Welt vor einer „humanitären Katastrophe steht, die sich direkt vor unseren Augen abspielt“.

Kinder haben jeden Tag Angst um ihr Leben
Caroline Anning, Leiterin der Anwaltschaftsarbeit im Rahmen der Syrienhilfe von World Vision, sagt: „Kinder in Idlib erleben unvorstellbaren Terror – sie müssen jeden Tag um ihr Leben fürchten. Und selbst diejenigen, denen es gelungen ist, der Gewalt zu entkommen, leben unter unmenschlichen Bedingungen. Viele von ihnen haben nicht einmal einen einfachen Unterschlupf, wo sie sich sicher fühlen können.“
„Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand und den Schutz der Zivilbevölkerung durch alle Konfliktparteien – insbesondere der Kinder, die sich nach wie vor in Kampfgebieten befinden“, so Anning weiter.

Die meisten Menschen flüchten aktuell in den Norden von Idlib. Diese Gebiete sind sehr dicht besiedelt und haben bereits eine große Anzahl an Familien aufgenommen, die zur Flucht gezwungen wurden. World Vision arbeitet mit Partnerorganisationen vor Ort, über die lebensnotwendige Hilfsgüter verteilt werden und mobile medizinische Einheiten zum Einsatz kommen. 

Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten
Die Hilfsorganisationen geraten allerdings an ihre Grenzen. Auch die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten in überfüllten Lagern ist gegeben. Eine von World Vision unterstützte medizinische Einrichtung in der Nähe der Grenze hat im vergangenen Monat einen Anstieg der Patientenzahlen um 70 Prozent verzeichnet, Kinder schlafen bereits auf dem Boden.

Fast die Hälfte der Familien, mit denen die Partner von World Vision gesprochen haben (49 Prozent), gaben an, Kinder unter fünf Jahren zu haben, die an Durchfall erkrankt waren, der bei Kleinkindern tödlich sein kann. Neun von zehn Familien gaben an, nicht genug Platz zu haben. Genauso viele sagten, ihre Unterkünfte würden nicht genug Schutz bieten.

Forderungen an die internationale Gemeinschaft
Der Nothilfeeinsatz ist nach wie vor stark unterfinanziert. World Vision fordert die internationale Gemeinschaft daher dazu auf, ihre Unterstützung zu verstärken. Weiters sind Staats- und Regierungschefs dazu aufgerufen, ihre Bemühungen zu intensivieren, um mit den Konfliktparteien eine politische Lösung für die anhaltende Gewalt zu finden und den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen.
 
 
INTERVIEWMÖGLICHKEIT:
Caroline Anning und Mays Nawayseh stehen auf Anfrage für Interviews (auf Englisch) zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an Tanja Zach: tanja.zach@wveu.org, 0664-833 94 11
 
 
 
 

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