Hunger aufgrund von Rückgang an Hilfsmitteln, Selbstversorgung als Ausweg – Welt-flüchtlingstag, 20. Juni
Wien, 16.06.2026 – Ein neuer Bericht der internationalen Hilfsorganisation World Vision im Vorfeld des Weltflüchtlingstages zeigt die dramatischen Folgen der Kürzungen von Hilfsmitteln weltweit auf. Dabei wäre es entscheidend, Flüchtenden die Möglichkeit zu geben, selbst ihre Grundbedürfnisse decken zu können, um gerade auch Kinder zu schützen: Wenn geflüchtete Familien durch Arbeit selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können, erleben Kinder deutlich seltener Hunger, Kinderarbeit, Schulabbrüche und Familientrennungen.
Seit 2025 haben Mittelkürzungen dazu geführt, dass ein Großteil des humanitären Bedarfs ungedeckt bleibt. Vertriebene Familien sind am stärksten davon betroffen. Mehr als 64 Prozent der Haushalte, die World Vision für einen neuen Report zum Weltflüchtlingstag befragt hat, sind zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse auf Hilfsleistungen angewiesen. Laut WFP leiden 318 Millionen Menschen in 68 Ländern unter akuter Ernährungsunsicherheit, davon 41,1 Millionen in Notlagen oder schlimmer (IPC/CH-Phase 4+).
„Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Kind, das immer wieder vor Gewalt fliehen muss, tagelang hungrig schläft und jeden Morgen aufwacht, ohne in Sicherheit zu sein. Im Bericht sprechen Kinder mit aller Deutlichkeit über die Realität, die sie durchleben, aber auch über ihre Träume. Ob diese zu erreichen sind, hängt vor allem von politischem Willen ab", erklärt Amanda Rives, Direktorin für Advocacy bei World Vision International.
„Manchmal haben wir nur einmal am Tag überhaupt etwas zu essen und wenn die Eltern keine Arbeit finden, dann sind sie noch verzweifelter", erzählt etwa ein Kind aus Kolumbien.
Die Studie stützt sich auf die Befragung von fast 3.500 Haushalten in acht Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika und zeigt, dass Familien in besonders schwierige Überlebensstrategien gedrängt werden, wenn die Hilfsleistungen zurückgehen. 57 Prozent hatten im vergangenen Monat mindestens ein Haushaltsmitglied, das hungrig schlafen gegangen ist. 21 Prozent berichteten von unregelmäßigem Schulbesuch ihrer Kinder. Darüber hinaus ist bei Kindern aus Haushalten mit höherer Ernährungsunsicherheit die Wahrscheinlichkeit einer Zwangsverheiratung siebenmal höher.
Ein Kind aus Burundi berichtet sogar: „Uns kleinen Kindern fehlt es oft am Allernötigsten, wir sind dann gezwungen, uns zu prostituieren, um überhaupt an etwas zu kommen. "
Umgekehrt müssen Kinder aus Haushalten, denen die Möglichkeit gegeben wird, ihre Grundbedürfnisse selbst zu decken, deutlich seltener um Essen betteln oder die Schule verlassen, um zu arbeiten. Auch Frühverheiratungen kommen seltener vor. Aufgrund des Berichtes fordert World Vision daher nicht nur ausreichend Mittel für humanitäre Programme, sondern auch den Schutz der Rechte von Geflüchteten. Regierungen und Geber müssen den Zugang zu Arbeit, Bildung, Bewegungsfreiheit, sozialem Schutz und Dokumenten ermöglichen.
Die Studie zum Download finden Sie hier:
https://worldvision.at/wp-content/uploads/2026/06/WV_In-the-Shadow-of-Hunger_Research_Web.pdf